Burnout die 3 grossen fehler auf dem weg zur erholung

Sind Dir diese drei Fehler begegnet?

Fehler Nr.1: Wenn ich zu wenig Zeit habe und ständig allem hinterher rennen muss, muss ich eben effizienter werden.

→ Was tun viele, wenn sie sich gehetzt und vor zu viel Arbeit stehend sehen? Mehr Leistung erbringen! Dafür sollen Techniken zu Zeitmanagement und Effizienzsteigerung her. Zeitmanagement-Bücher, -kurse etc. stehen dann hoch im Kurs.

Problem an dieser Strategie: Hauptursache für Überforderung, Erschöpfung und Burnout ist Stress, oft in Form von zu viel Arbeit unter Missachtung der eigenen körperlichen Grenzen. Arbeiten unter Druck. Häufig gekoppelt mit nährstoffarme Ernährung (in Hinblick auf Vitamine, Mineralien u.ä., eher seltener im Hinblick auf Kalorien) und dem Gefühl, die eigene Zeit nicht mehr kontrollieren zu können. (Es gibt natürlich noch einen Haufen anderer Ursachen.)

Was passiert, wenn ich in einem vollgepackten Tag schon gehetzt bin und dann noch schneller renne, um alles zu schaffen? Anders ausgedrückt, ich schraube sämtliche roten Warnlämpchen aus meinem Wagen und trimme den Motor auf mehr Leistung! Kein Automechaniker bei Verstand rät dazu… Menschen machen genau das mit dem eigenen Körper.

Zeitmanagement-Bücher, Effizienzsteigerungskurse, Beratungsangebote für lean management, etc. haben ihren Platz. ABER wer sich bereits gehetzt und gestresst fühlt, kauft sich mit diesen Techniken ein direktes Ticket in den kompletten Burnout, ohne dass er das wahrnimmt. Kompletter Burnout heißt: Du kommst keine Treppe mehr rauf. Sogar stationärer Aufenthalt droht.

Wenn Du Dich bereits dauerhaft gehetzt, überfordert und gestresst fühlst, dann tritt auf die Bremse. Rentnermodus ist angesagt - nicht Effizienzsteigerung. Schmeiß sämtliche dieser Effizienzratgeber vorerst weg, bis Du Dich wieder fit und erholt fühlst. Dann wird das Passende von allein an Deine Tür klopfen, um Deine Zeit sinnvoll zu nutzen.

2. Fehler: Ich habe keine Zeit, auf die Bremse zu treten

Das war zumindest mein Gefühl, als ich merkte, die innere Batterie geht stillschweigend runter. Feierabend, Wochenende, normale Krankschreibung und Urlaub reichten nicht mehr, um mich zu erholen.

Wo soll da ein Ausgang sein?

Es schenkt einem ja niemand was. Die Brötchen wollen verdient sein, der Nachwuchs hat Anspruch auf Versorgung und Bespaßung, der Lieblingspartner will Partnerzeit. Die Wahrnehmung von sich selbst ist auf Funktionieren und Leisten gerichtet. Daher haben viele, die sich in einer Abwärtsspirale befinden, das Gefühl: “Ich kann nicht auf die Bremse treten.” Wer ist schon so reich, um mal schnell die Weltreise anzutreten? Außerdem ist das Tückische, dass man irgendwann selbst für Beschäftigungen, die man liebt, zu platt ist. Weitermachen erscheint weniger anstrengend als aufhören.

Körperliche Wirkung von Stress

Bei Stress schaltet das Gehirn auf Flucht, Kampf oder Erstarrung um. Bei Dauerstress befindet man sich ständig in einem der Zustände. Körperlich können wir zwischen diesen Zuständen jederzeit hin und herschalten (wenn auch nicht gleichzeitig, also Fliehen und Kämpfen geht nicht gleichzeitig). Egal, in welchem dieser Zustände man sich gerade befindet, Gehirn und Nebennieren arbeiten auf Hochtouren, um Adrenalin, Cortisol und andere Stresshormone zur Verfügung zu stellen; die Verdauung für den Nährstoffbedarf und das Großhirn zum logisch Denken wird runtergefahren (bei Dauerstress dauerhaft). Dadurch hat man die ganze Zeit einen Tunnelblick, also ein Blick, der nur darauf gerichtet ist, den angeblichen Gegner vor einem platt zu machen, nach Fluchtmöglichkeiten zu suchen oder, wenn nichts mehr geht, zu erstarren. Man kann nicht mehr links oder rechts sehen oder kreative Lösungen finden.

Ergebnis: Bei Dauerstress siehst Du aus physiologischen Gründen keinen Weg mehr, um auf die Bremse zu treten, nur noch dauerhafter Überlebensmodus. Und das heißt, nicht innehalten und nachdenken, wo eigentlich ein kreativer Ausgang wäre.

Hol Dir Deinen Raum

Hol Dir Deine Pause rechtzeitig. Besser ist es, nicht auf den Arzt zu warten, der einen aus dem Verkehr zieht. (Notfalls tue genau das, lass Dich krankschreiben.) Klar, in der deutschen Gesellschaft wird Dir das Gefühl vermittelt, dass Dir niemand etwas schenkt und Du daher zu funktionieren hast. Unsere kollektiven Glaubenssätze lassen Dich es glauben. Tatsächlich gibt es viele Schlupflöcher. Du kannst jederzeit auf die Bremse treten.

Die Alternative beim Abstieg in einen echten Burnout: mit voller Wucht gegen eine Mauer knallen. Dann steht da der psychische oder körperliche Zusammenbruch. Du kommst keine Treppe mehr rauf. Je nach körperlicher Verfassung können das Panikattacken, Nierenversagen, Herzinfarkt, Depression etc. sein, was auch immer Deinem Körper einfällt… Dann wirst Du pausiert. Dein Körper ist nicht gegen Dich; er liebt Dich bedingungslos, er kann dann einfach nicht mehr!

Besser ist es, schon in einem frühen Stadium auf dem Weg in den Burnout rechtzeitig auf die Bremse zu treten. Dazu darf als erstes im Kopf der Gedanke entstehen, dass Pause erlaubt ist und dass dafür Raum ist. Sogar hier, mitten in Deutschland. Das kann ganz unterschiedlich aussehen. Corona bietet gerade eine wunderbare Erlaubnis zu Hause zu bleiben und zur Ruhe zu kommen, wenn der nächste Urlaub zu Hause stattfinden muss. Normalerweise versuchen die meisten Menschen in ihrem Urlaub ihrem Stress zu entkommen und verursachen ohne es zu merken, dabei fast das gleiche Level an Stress. Mit Corona gibt es kein Wegfliegen, keine Pauschalreise. Zu Hause bleiben und darüber nachdenken, wie die eigene Pause aussehen könnte. In die Natur gehen und sich unter einen Baum setzen soll schon bei Buddha für die Erleuchtung gesorgt haben. ;-) Wie lange Deine Pause sein darf, ist von dem Punkt abhängig, an dem Du Dich befindest.

Klar sind die Schlupflöcher in Deutschland eher klein, im vollen Stress sieht man sie vielleicht nicht. Also als erstes laut den Wunsch sich selbst gegenüber äußeren: ich brauche Raum, um auf die Bremse zu treten. Den Gedanken wiederholen. Dann beginnt das Unterbewusste nach Lösungen zu suchen. Es arbeitet für Dich. Irgendwo hörst, siehst, liest Du dann plötzlich die passende Lösung für Dich.

3. Fehler: Mein Leben ist so kompliziert, also muss die Lösung kompliziert sein.

Manchmal sehen wir den Wald vor lauter Bäumen nicht. Meist hat man es über die Jahre geschafft, sich einen Haufen ungesunder Gewohnheiten und dazu gehöriger körperlicher Symptome zuzulegen. Man schläft vielleicht schlecht, vielleicht einen Reizmagen, fühlt sich gehetzt und kann die schönen Dinge nicht mehr genießen. Vielleicht gab es schon den Herzinfarkt, Diabetes Typ II, Schäden an der Schilddrüse, Panikattacken, Depression…

Da kann die Heilung nicht so einfach sein wie: auf die Bremse treten. (Ein bisschen komplizierter ist es natürlich schon, zumal man die entstandenen körperlichen Schäden nicht unbehandelt lassen sollte. Aber letztlich auch nicht viel schwieriger.)

Was dann hilft, ist gaanz einfach! Jeden Tag im Rentnermodus sich auf das zuzubewegen, was einen Gesundwerden lässt. IM RENTNERMODUS. Für mich war das das härteste überhaupt. Ich habe auf der Überholspur gelebt. Da kann ich doch jetzt nicht gefühlt mit Rollator unterwegs sein. Weil ich erst so spät auf meinen Körper gehört habe, war es dann nicht einmal einer zum Rollen sondern einer, den man Stück für Stück weiter stellt. Wie ein guter Klavierlehrer, der einem sagt, wenn Du etwas Schwieriges spielen willst, dann spiele die Stelle langsam und noch langsamer. Danach übe eine Übungssequenz, die noch schwieriger ist, als die, die Du spielen willst, noch langsamer, bis es ohne Dein gezieltes Wollen schneller und schneller geht. Auf einmal ist die Vitalität zurück.

Erwarte bitte nicht, dass es so sein wird, wie vorher. Es würde überhaupt keinen Sinn ergeben, da weiter zu machen, was Dich vorher in die Überforderung gebracht hat. Möglicherweise stellt Dein Körper dafür auch nie wieder die Energie für ein Leben auf der Überholspur zur Verfügung. Vitalität für Dein selbstbestimmtes Leben wirst Du zurückbekommen.

Bis dahin ist es eine Übung im Langsam werden. Jeden Tag einen Minischritt auf die eigene Heilung zugehen. Eins nach dem anderen angehen. Kein Multitasking mehr, keine Effizienzsteigerung, kein: ich könnte doch nochmal schnell… Wie langsam es sein muss, ist davon abhängig, wo Du Dich befindest. Wenn es sehr spät ist, so wie bei mir, dann extrem langsam. Wenn Du früher auf die Bremse trittst, kann es vielleicht auch ein dreimonatiger Urlaub oder Teilzeitarbeiten für eine Weile sein.

So, das waren meine drei größten Fehler. Ist es Dir ähnlich ergangen? Oder sind Dir ganz andere Fehler über den Weg gelaufen? Dann gerne einen Kommentar unten hinterlassen.

Alles Liebe und viel Erfolg für Deinen Heilungsweg.