
Erprobte Wege aus Erschöpfung. Mit dem Inneren Kind.
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Alltagssucht lässt sich in hunderten von Varianten finden. Wenn man sich im Alltag umschaut, betäuben sich die aller/aller/allermeisten Menschen mit irgendetwas, um ihren Alltag besser zu bewältigen. Jeder hat so seine Art, Alkohol, Binchwatching, Solitaire, Sport, Schokis, Chips, Surfen bis zum Abwinken, Facebook, Vereinsarbeit bis zum Umfallen, Putzen, Workaholic…
Was bedeutet es eigentlich einer Alltagssucht nachzugehen? Im Grunde verschreibt man sich selbst ein Medikament für eine unangenehme Situation, das wie alle Medikamente heftige Nebenwirkungen haben kann.
Zunächst: Für eine Alltagssucht gibt es immer einen sehr guten Grund! Selbstmedikation ist absolut normal. Die Art von Leben, das wir inzwischen führen, hat sich in den letzten 200 Jahren in einer ungeheuren Geschwindigkeit verändert. Die Evolution des Körpers hatte allerdings noch ganz andere Herausforderungen zu bewältigen gehabt als heute. Daher sind wir jetzt nicht superdupi für unser Leben im Hier und Jetzt ausgestattet. Daher:Selbstabwertung als erstes einstellen! Gedanken, wie: Man, eye, jetzt habe ich schon wieder … Dabei wollte ich doch endlich … darfst Du gerne einstellen. Falls Du magst. ;-) Das macht Dich nicht charakterschwach.
Noch etwas vorab: hier geht um Alltagssüchte. D.h., um störende, quälende Handlungsweisen, die zwar unangenehm sind, aber nicht grundsätzlich Deine Alltagsfähigkeit außer Kraft setzen. Also das, womit viele mit sich kämpfen Tiefgreifendes Suchtverhalten, wie Alkoholismus, Drogensucht etc. sind hier nicht gemeint. Dann benötigt man eine Entzugsklinik und in der Regel eine sehr engmaschige Suchttherapie. Die eigene Persönlichkeit muss überhaupt erst einmal wieder aufgebaut werden. Daher, das als kleiner Diclaimer, dafür ist das Folgende nicht gedacht!
Wenn das innerlich gut klappt und Du Dein Bedürfnis nach der Sucht aufschieben kannst, in dem Du Dir selbst innerlich bietest, was Du eigentlich bräuchtest, sollte die Sucht nach und nach schwächer werden. Natürlich ist da keine Garantie, aber es bestehen sehr gute Aussichten.
Königsdisziplin: Du gibst Dir im Außen, was Du Dir innerlich vorstellst. Im Inneren hast Du keinen Mangel. D.h., Du kannst Dir die perfekte Oma, den gefährlichsten Schutz-Ninja, den gigantischsten Schutzengel aller Zeiten vorstellen. Im Außen ist das schwieriger. Such nach etwas, was in die Richtung geht. Die perfekte Oma macht Dir Dein Lieblingsessen? Dann versuche es ab und zu Dir selbst zu kochen. Ins Restaurant fällt leider gerade aus. Dein Bedürfnis wäre 10 Jahre zu schlafen? Naja, ginge es vielleicht doch, dass Du mal gelegentlich etwas früher ins Bett kommst. Oder (falls es irgendwann auch ein normales Nach-Corona gibt) Du gehst ins Karatestudio und lernst mehr und mehr, Dich selbst geschützt zu fühlen. Umgekehrt: Wenn die Muskeln eigentlich nur nach Entspannung schreien, dann wäre vielleicht mal weniger Sport und mehr Badewanne angesagt.
D.h., Du findest etwas, dass Du auch im Außen für Dich Gutes tun kannst. Du für Dich!!! Du wandelst dieses Coping-Mechanismus “Alltagssucht” in etwas, dass dir gut tut. In Deine Liebe zu dir selbst. Du bist von niemandem im Außen abhängig. Und Du musst auch niemanden dazu bekommen, genau das zu bekommen, was Du brauchst. Gelebte Selbstliebe pur!
Bei Hass: Natürlich nicht im Außen jemanden schädigen. Nicht einmal im Inneren (wie ich oben schon beschrieben habe), aber vielleicht kann man beim Freund im Garten Holz hacken oder Volleyball-Spielen, oder sich eine Stunde Bagger-Fahren gönnen und sich vorstellen, wie man alles umpflügt, was einem so richtig die Galle hochgehen lässt, damit man dieses - Ich muss auf etwas/jemanden einschlagen - auf konstruktive Art und Weise Ausdruck verleiht. Meiner Erfahrung nach gilt das für beide Geschlechter, sogar mehr für Frauen als für Männer, möglicherweise weil gesellschaftlich betrachtet Männer mehr Erlaubnis haben, Wut im Außen Ausdruck zu verleihen als das für Frauen schicklich gilt.
Wie gesagt: das ist die Königsdisziplin. Wenn einem 10 kuschelige Husky-Welpen gut tun, würde ich mir persönlich keine echten Huskys zulegen. Erstens wachsen die und zweitens sind das extreme “Gebrauchshunde”, d.h. die haben auch extreme Bedürfnisse, die man ohne Schlittenhundschule in Alaska kaum wird bedienen können. In Deinem Inneren haben die Welpen hingegen keinerlei Bedürfnisse, müssen niemals Gassi geführt werden.
Von der Hirnchemie macht es keinen Unterschied, ob man sich ein 100Sterne Hotel vorstellt und sich in jeder Hinsicht umsorgen lässt oder ob man sich das im Außen überhaupt leisten kann. Dein Gehirn wird Oxytocin und andere Wohlfühlhormone ausschütten, ob es real passiert oder vorgestellt ist in allen Farben inkl. Geruch und Geräusche.. (Das gleiche gilt leider auch in die andere Richtung, sich auf Dauer Sorgen machen ist daher ziemlich unbekömmlich.)
Der Trick: Schiebe Deine Alltagssucht für einen für Dich überschaubaren Zeitraum auf. Lass Dir in dieser Zeit genau das zu Gute kommen, was du brauchst.
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Verbietest Du Dir die Sucht, dann löst das in Dir wahrscheinlich nur noch einen heftigeres Bedürfnis nach der Selbstmedikation aus. Denn dann legt der innere Anteil in Dir los, einen sensiblen, überforderten Teil in Dir, also ein sensibles Innenkind schützen zu müssen. Dieser Schutzanteil ist unmittelbar mit Deinem Flucht- und Kampfsystem verbunden. D.h., der ist auf Überleben ausgelegt. Schon mal versucht, eine Tigermutter davon abzuhalten, ihr Kleines vor einer Gefahr zu retten?
Wenn Du Dir diesen Kampf vorstellen kannst, dann hast Du ungefähr den Druck erfasst, der in Dir abläuft, wenn Du versuchst, Dir Deine Alltagssucht zu verbieten, also Alkohol zu trinken, Sport als Sucht zu betreiben. Holla, die Waldfee! Dann geht es rund in Dir. Da will niemand sich freiwillig dazwischen werfen. Daher hat es nichts mit Willensstärke zu tun, wenn Dein Verstand Dich nicht von Deiner Alltagssucht abhalten kann.
Aus diesem Grund ist es günstig zu schauen, dass es von vornherein nicht mehr notwendig ist, diesen Überlebens-Schutzanteil in Dir hochgehen zu lassen. Denn der hat eine Methode gefunden (Alltagssucht), um das Sensible in Dir zu schützen. Er weiß bisher nicht, sich sinnvoller/besser zu helfen, als diese Sucht, damit Dein sensibles Innenkind geschützt bleibt. D.h., Du bringst Dir selbst und Deinem psychischen System mit der Zeit Beweise an, dass es anders geht! Wie alles, was man neu - und v. a. in diesem Fall - UMlernen muss, dauert es ein bisschen. Ein bisschen Geduld und Spucke braucht man schon.
Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg. Du schaffst das.
Dann liegt das vermutlich weder an dieser Übung noch an Dir, sondern daran, dass sich mehrere Bedürfnisse über einander gelegt haben. Das ist allein extrem schwierig auseinander zu dröseln. Also zumindest mich können verhedderte Knoten in einer Anorakschnur wahnsinnig machen. Genau so kann es Dir damit ergehen. Sich mit dem sensiblen Anteil und diesem sehr kräftigen Schutzanteil in Dir auseinander zu setzen, ist machbar! Die Überschrift dieses Artikels war ernst gemeint. Aber auch herausfordernd.
Oder lass Dir helfen und buche bei mir Unterstützung. Zu zweit kann man so viel leichter Klarheit ins System bringen. Quäl Dich nicht! Das macht am aller wenigsten Sinn. Dafür ist Deine Lebenszeit dann doch zu schade.